Visum als ADLK: Ablauf, Unterlagen und Zeitplan
Die ZfA vermittelt dich an eine Schule. Das Visum für dein Zielland ist ein eigenes Verfahren mit eigenen Regeln. Hier steht, wie die Schritte zusammenhängen, was du früh anstoßen solltest und wo du die verbindlichen Angaben findest. Mit Beispielen aus Brasilien.
Drei Verfahren, die oft verwechselt werden
Viele Unsicherheiten entstehen, weil drei Dinge in einen Topf geworfen werden. Sie laufen nacheinander und bei unterschiedlichen Stellen:
- Freistellung: Dein Dienstherr, also dein Bundesland, gibt dich für den Auslandsschuldienst frei. Die Bewerbung läuft auf dem Dienstweg über deine Schulleitung.
- Vermittlung: Die ZfA nimmt dich in die Bewerberdatenbank auf. Schulleitungen können dich dort finden und dir ein Angebot machen.
- Visum und Aufenthalt: Nach einer verbindlichen Zusage klärst du mit der Schule, welche aufenthaltsrechtlichen Schritte nötig sind. Je nach Visumkategorie muss die Schule zunächst selbst Unterlagen einreichen oder im Zielland eine Genehmigung beantragen. Erst danach stellst du den eigentlichen Visumantrag.
Wie die ersten beiden Schritte ablaufen, steht ausführlich im Artikel Bewerbung auf dem Dienstweg. Hier geht es um Schritt 3.
Wer ist für das Visum zuständig?
Maßgeblich sind die Einreise- und Aufenthaltsvorschriften des Ziellandes. Den Visumantrag stellst du bei dessen Botschaft oder Konsulat in Deutschland, je nach Wohnort ist ein bestimmtes Konsulat zuständig. In Brasilien können zusätzlich das Justizministerium und die Polícia Federal beteiligt sein. Die ZfA ist für das Visum nicht zuständig. Die Auslandsschule ist aber meist dein wichtigster Ansprechpartner: Viele Schulen kennen das Verfahren gut, stellen die nötigen Arbeitgeberunterlagen aus und begleiten neue Lehrkräfte durch die einzelnen Schritte. Frag deshalb direkt nach der Zusage, wer an der Schule für Visa zuständig ist.
Mit einem Touristenvisum oder einer visumfreien Einreise als Tourist darfst du in der Regel nicht arbeiten. Kläre vor der Ausreise, mit welchem Visum du einreist und ab wann du unterrichten darfst.
Typische Unterlagen
Welche Dokumente verlangt werden, hängt vom Land und von der Art des Visums ab. Häufig gehören dazu:
- Reisepass mit ausreichender Restgültigkeit
- Arbeitsvertrag bzw. Unterlagen der Schule als Arbeitgeber
- Führungszeugnis, oft mit Apostille und nicht älter als eine bestimmte Frist, häufig drei Monate
- Je nach Land die eigene Geburtsurkunde, zum Beispiel für die Registrierung vor Ort
- Personenstandsurkunden, wenn Familie mitreist, zum Beispiel Heiratsurkunde und Geburtsurkunden der Kinder
- Je nach Land beglaubigte Übersetzungen, in Brasilien oft durch vereidigte Übersetzer vor Ort (tradução juramentada)
Die verbindliche Liste steht auf der Seite der zuständigen Botschaft oder des Konsulats. Arbeite sie Punkt für Punkt ab und frag bei Unklarheiten die Schule.
Apostille und Übersetzungen
Viele Länder erkennen deutsche Urkunden nur mit einer Apostille an. Das ist eine Bestätigung, dass die Urkunde echt ist. Deutschland und Brasilien sind beide Vertragsstaaten des Haager Apostille-Übereinkommens, für Brasilien gilt es seit dem 14. August 2016. Welche deutsche Stelle die Apostille ausstellt, hängt von der Art der Urkunde ab. Beim Führungszeugnis gilt: Das Bundesamt für Justiz stellt es aus, die Apostille bringt das Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten an. Du beantragst das Führungszeugnis dafür in Papierform und bittest um Weiterleitung zur Apostille. Ein digitales Führungszeugnis lässt sich nicht apostillieren.
Plane für Apostillen und Übersetzungen mehrere Wochen ein. Beantrage das Führungszeugnis rechtzeitig, aber nicht zu früh, denn viele Behörden akzeptieren nur Zeugnisse, die wenige Monate alt sind.
Beispiel Brasilien
Für eine Lehrtätigkeit in Brasilien brauchst du ein befristetes Visum (Visto Temporário). Welche Kategorie passt, hängt von der vertraglichen Konstellation ab. Infrage kommen zum Beispiel VITEM I oder VITEM V, die Übersicht steht auf der Seite der brasilianischen Botschaft in Berlin. Kläre die richtige Kategorie mit deiner Schule und dem zuständigen Konsulat, statt dich auf Erfahrungsberichte anderer zu verlassen.
Nach der Einreise mit einem befristeten Visum musst du dich grundsätzlich innerhalb von 90 Tagen bei der Polícia Federal registrieren. Dafür stellst du online einen Antrag, buchst einen Termin und bringst Pass und Visumunterlagen mit. Du bekommst eine Registrierungsnummer (RNM) und eine Aufenthaltskarte (CRNM). Wichtig: Wie lange das Visum zur Einreise gültig ist und wie lange du bleiben darfst, sind zwei verschiedene Dinge.
Wie lange darf ich als ADLK bleiben?
Das hat mit dem Visum wenig zu tun, wird aber oft damit vermischt. Laut ZfA wird der Dienstvertrag mit der Schule in der Regel für drei Jahre geschlossen. Bei Bewährung kann er um weitere drei Jahre auf höchstens sechs Jahre verlängert werden. Wer schulstrukturtragende Funktionen übernimmt, kann unter bestimmten Voraussetzungen um weitere zwei Jahre auf höchstens acht Jahre verlängern. Ob du dafür deinen Aufenthaltstitel verlängern oder neu beantragen musst, richtet sich nach den Regeln des Ziellandes.
Wer zahlt was?
Für ADLK gibt es bei der ZfA eine einmalige Zuwendung für Reise und Umzug sowie Pauschalen für Flug und Umzug. Für Visumkosten hat die ZfA eigene Regelungen, unter anderem zu einem Eigenanteil bei Kosten aufgrund der Aufenthaltsbestimmungen des Gastlandes und eine eigene Antragsliste für Visakosten. Prüfe anhand der aktuellen Richtlinie, welche Kosten erstattet werden und welche Nachweise du brauchst. Hebe alle Belege auf.
Realistischer Zeitplan
- Direkt nach der Zusage: Zuständige Person an der Schule fragen und die Liste der Botschaft besorgen
- Sobald die Visumkategorie klar ist: Führungszeugnis in Papierform mit Apostille, weitere Urkunden und Übersetzungen beantragen
- Sobald alles da ist: Visumantrag stellen, Bearbeitungszeit der Botschaft einplanen
- Nach der Einreise: Fristen für die Registrierung vor Ort einhalten, in Brasilien mit befristetem Visum grundsätzlich 90 Tage
Denk auch an den Schuljahresbeginn: Laut ZfA beginnt das Schuljahr im südlichen Afrika und in Teilen Südamerikas meist zwischen dem 1. Januar und dem 1. März, sonst meist im August oder September. Zwischen Zusage und Dienstantritt liegen manchmal nur wenige Monate.
Die häufigsten Fehler
Zu spät anfangen. Apostillen, Übersetzungen und Termine bei der Botschaft brauchen Zeit. Wer erst kurz vor dem Flug beginnt, riskiert einen verspäteten Dienstantritt.
Sich auf alte Erfahrungsberichte verlassen. Visaregeln ändern sich. Was vor drei Jahren galt, kann heute anders sein. Maßgeblich ist immer die aktuelle Seite der Botschaft.
Die Familie vergessen. Für mitreisende Partner und Kinder muss der Aufenthaltsstatus eigens geklärt werden. In Brasilien kommt zum Beispiel ein Visum zur Familienzusammenführung (VITEM XI) infrage, das unter bestimmten Voraussetzungen zusammen mit deinem Antrag gestellt werden kann. Kläre früh, welche Urkunden dafür nötig sind.
- ZfA: Informationen zur Bewerbung als ADLK (Vertragsdauer, Schuljahresbeginn)
- ZfA: Finanzielle Regelungen ADLK (Reise, Umzug, Visakosten)
- Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten: Apostillen und Beglaubigungen
- Haager Konferenz: Vertragsstaaten des Apostille-Übereinkommens
- Brasilianische Botschaft Berlin: Befristete Visa (VITEM)
- Universität São Paulo: Registrierung bei der Polícia Federal (RNM)
Erfahrungsbericht, keine Rechtsberatung. Verbindlich sind allein die Angaben der Botschaft bzw. des Konsulats des Ziellandes.
Die ADLK-Bewerbungscheckliste
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