Beamte ohne Grenzen
← Alle Artikel ADLK & OLK · Bewerbung

ADLK-Bewerbung: 5 Dinge, die in keiner Stellenausschreibung stehen

Die offiziellen Informationen erklären, welche Unterlagen du brauchst. Was sie kaum erklären: wie sich der Weg in der Praxis anfühlt, wo die Zeit verloren geht und worauf Schulen im Gespräch achten. Fünf Punkte, die dir bei der Planung helfen.

Als Auslandsdienstlehrkraft (ADLK) wirst du von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) an eine Schule im Ausland vermittelt und dafür aus dem deutschen Schuldienst beurlaubt. Voraussetzung ist, dass du verbeamtet oder unbefristet angestellt bist und dein Dienstherr dich freigibt. Während der Zeit im Ausland zahlt die ZfA nach ihren eigenen Regeln. Soweit die Theorie. In der Praxis gibt es ein paar Punkte, die man vorher kennen sollte.

1. Vor der Datenbank steht ein langer Dienstweg

Deine Bewerbung läuft nicht direkt an die ZfA, sondern über deine Schulleitung und deinen Dienstherrn. Das Land prüft, ob es dich freigeben kann, und erst danach wird dein Profil in der Bewerberdatenbank der ZfA sichtbar. Je nach Bundesland gehören dazu eine aktuelle dienstliche Beurteilung, ein Gespräch oder weitere Nachweise.

Die ZfA selbst setzt keine Bewerbungsfristen, dein Bundesland aber schon. Wer im Sommer mit dem Gedanken spielt und im Herbst ausreisen möchte, wird enttäuscht. Rechne vom ersten ernsthaften Schritt bis zur Ausreise mit mindestens einem Jahr, oft mit mehr. Wie die Schritte in NRW zusammenhängen, steht im Artikel Bewerbung auf dem Dienstweg.

2. Nach der Aufnahme kann es schnell gehen

Das ist das Paradox: Monate der Vorbereitung, und dann meldet sich unter Umständen innerhalb weniger Wochen eine Schule. Laut ZfA suchen Schulleitungen geeignete Lehrkräfte in der Bewerberdatenbank und nehmen dann selbst Kontakt auf. Für bestimmte Schulen, etwa staatliche Schulen in Mittel- und Osteuropa, wählt die ZfA selbst aus.

Sei deshalb gut erreichbar und halte die wichtigsten Unterlagen bereit. Wer erst nach dem Anruf anfängt, Zeugnisse zusammenzusuchen oder ein Führungszeugnis zu beantragen, verliert Zeit.

3. Ein klares Profil fällt auf

Schulleitungen sehen in der Datenbank viele Profile. Was hilft, ist ein Anschreiben, das zeigt, warum du gerade in den Auslandsschuldienst möchtest und was du einer Schule mitbringst: Fächer, Erfahrungen mit Deutsch als Fremdsprache, Arbeit in heterogenen Klassen, Bereitschaft für zusätzliche Aufgaben.

Manche Bewerberinnen und Bewerber nehmen zusätzlich direkt Kontakt zu Schulen auf, die sie besonders interessieren. Dann gilt: lieber wenige, gut vorbereitete Bewerbungen mit einem persönlichen Bezug zur Schule als viele gleichlautende Mails. Ob eine Schule Direktbewerbungen überhaupt wünscht, steht oft auf ihrer Website.

4. Das Auswahlgespräch ist auch ein Gespräch über dein Leben

Wenn eine Schule Interesse hat, folgt meist ein Gespräch mit der Schulleitung, oft per Video. Fachlich geht es um Unterricht, Differenzierung, Leistungsbewertung und den Umgang mit schwierigen Situationen. Wer das Referendariat noch gut im Kopf hat, ist hier im Vorteil.

Daneben kommen häufig Fragen, die in keiner Ausschreibung stehen: Warum möchtest du ins Ausland? Wie sieht deine Familie das? Wie stellst du dir den Alltag vor, ohne dein gewohntes Umfeld? Kannst du dir vorstellen, die volle Vertragszeit zu bleiben? Der Hintergrund ist nachvollziehbar: Der Dienstvertrag wird laut ZfA in der Regel für drei Jahre geschlossen, und eine Schule möchte, dass neue Lehrkräfte diese Zeit auch gut durchhalten. Ablauf, Themenblöcke und Beispielfragen findest du im Guide ADLK-Kolloquium meistern.

Rechne außerdem nicht damit, dass du nach einer Zusage sofort anfangen kannst. Visum, Wohnung und Umzug brauchen Zeit, mehrere Monate sind normal.

5. Deine Fächerkombination zählt, aber anders als gedacht

Laut ZfA werden vor allem Lehrkräfte für Deutsch, moderne Fremdsprachen und MINT-Fächer gesucht. Daneben spielt eine Rolle, wie flexibel du einsetzbar bist. Auslandsschulen sind oft kleiner als Schulen in Deutschland, und wer mehrere Fächer oder Schulstufen abdecken kann, ist organisatorisch wertvoll.

Frag dich deshalb nicht nur, ob deine Fächer perfekt zur Stelle passen. Frag dich auch, was deine Kombination einer Schule ermöglicht. Wenn dir ein gefragtes Fach fehlt, kann sich eine berufsbegleitende Zusatzqualifikation lohnen. Welche Angebote anerkannt werden, regelt dein Bundesland.

Was du jetzt tun kannst

  1. Erkundige dich bei deiner Bezirksregierung oder deinem Ministerium nach Ablauf, Fristen und Unterlagen in deinem Bundesland.
  2. Prüfe ehrlich, wie gefragt deine Fächer sind und wo du flexibel einsetzbar bist.
  3. Schau dir die Schulen auf der Seite der ZfA an und überlege, welche zu deiner Lebenssituation passen, nicht nur zu deinen Fächern.
  4. Bereite Führungszeugnis, Zeugnisse und gegebenenfalls Apostillen früh vor. Das dauert Wochen bis Monate.
Kostenlos

ADLK-Bewerbungscheckliste

Alle Schritte auf dem Dienstweg mit NRW-Spalte, Fragen an Dienstherrn, Schule und ZfA und ein Zeitplan zum Ausfüllen.

Checkliste holen →
Quellen · geprüft am 29.10.2026
  1. ZfA: Auslandsdienstlehrkräfte
  2. ZfA: Informationen zur Bewerbung als ADLK
  3. BASS 21-12 Nr. 3: Auslandsschuldienst NRW (RdErl. vom 10.05.2021)
  4. Schulministerium NRW: Auslandsschuldienst

Erfahrungsbericht, keine Rechtsberatung. Verbindlich sind die Vorgaben der ZfA und deines Bundeslandes.

Über die Autorin

Lena Hartmann ist verbeamtete Lehrerin und war als ADLK an einer Deutschen Auslandsschule in Rio de Janeiro.

Mehr über Lena →
Kostenloser Download · 5 Seiten

Die ADLK-Bewerbungscheckliste

Unterlagen, Dienstweg mit NRW-Spalte, Fragen an Dienstherrn, Schule und ZfA und ein Zeitplan zum Ausfüllen. Direkt nach der Anmeldung herunterladen, dazu einmal im Monat der Newsletter.

Ähnliche Beiträge